BarrierefreiWeb Logo BarrierefreiWeb Kontakt
Kontakt

WCAG 2.1 Grundlagen — Alles was du wissen musst

Die vier Grundprinzipien der Barrierefreiheit: wahrnehmbar, bedienbar, verständlich und robust. Ein praktischer Einstieg für Designer und Entwickler.

Lesezeit 12 Min
Level Anfänger
Veröffentlicht Februar 2026
Frau arbeitet am Laptop und prüft Website-Barrierefreiheit mit Accessibility-Tools

Warum Barrierefreiheit wichtig ist

Barrierefreiheit im Web ist kein Luxus — es’s eine Notwendigkeit. Über 15% der Weltbevölkerung lebt mit einer Form von Behinderung. Das heißt: Wenn deine Website nicht barrierefrei ist, schließt du Millionen von Menschen aus.

Die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) 2.1 sind der internationale Standard für digitale Barrierefreiheit. Sie’re entwickelt von der W3C (World Wide Web Consortium) und bieten konkrete Richtlinien, wie du Websites für alle Menschen zugänglich machst — unabhängig von ihren Fähigkeiten oder Technologien, die sie nutzen.

Das Beste? Barrierefreiheit kommt nicht nur Menschen mit Behinderungen zugute. Bessere Kontraste helfen auch bei Sonnenlicht. Tastaturnavigation unterstützt Power-User. Und klare Strukturen machen deine Website für alle verständlicher.

Verschiedene Nutzer mit unterschiedlichen Geräten und Assistivetechnologien greifen auf eine Website zu

Die vier WCAG-Prinzipien erklärt

WCAG basiert auf vier Säulen — das Akronym heißt POUR. Jedes Prinzip hat konkrete Richtlinien, die du umsetzen kannst.

1

Wahrnehmbar (Perceivable)

Inhalte müssen für alle Sinne zugänglich sein. Das bedeutet: Bilder brauchen Alt-Text für Screenreader, Videos benötigen Untertitel, und der Text muss ausreichend groß und kontrastreich sein. Farbe allein darf nie die einzige Informationsquelle sein.

2

Bedienbar (Operable)

Alle Funktionen müssen über Tastatur erreichbar sein. Das heißt: Nutzer sollten nicht mit Maus zwingend arbeiten müssen. Zeitlimits sollten es Usern erlauben, sich Zeit zu nehmen, und die Navigation sollte vorhersehbar bleiben. Verzichte auf Inhalte, die Anfälle auslösen könnten.

3

Verständlich (Understandable)

Text muss lesbar und verständlich sein. Verwende einfache Sprache, erkläre Fachbegriffe, und nutze aussagekräftige Überschriften und Labels. Nutzer sollten Fehler erkennen und korrigieren können — besonders bei Formularen. Die Seite sollte vorhersehbar funktionieren.

4

Robust (Robust)

Dein Code muss sauber sein und mit verschiedenen Assistivetechnologien funktionieren. Das heißt: valides HTML, korrekte Semantik, und keine JavaScript-Fehler, die die Navigation blockieren. Je robuster dein Code, desto besser funktioniert deine Website überall.

Konformitätsstufen: A, AA und AAA

WCAG hat drei Konformitätsstufen. Je höher die Stufe, desto strenger die Anforderungen. Die meisten Websites streben Level AA an — das’s die goldene Mitte zwischen Aufwand und Nutzen.

Level A

Die Basis. Erfüllt die grundlegendsten Anforderungen. Besser als nichts, aber noch lange nicht ausreichend für die meisten Nutzer.

Level AA

Der Standard. Das ist, wonach die meisten öffentlichen Websites und Behörden streben. Es’s ein guter Balance zwischen Aufwand und breiter Barrierefreiheit.

Level AAA

Die Spitze. Für spezialisierte Websites mit kritischen Inhalten. Erfordert erhebliche zusätzliche Anstrengungen, aber maximale Barrierefreiheit.

Diagramm der WCAG-Konformitätsstufen A, AA und AAA mit steigenden Anforderungen

Praktische Erste Schritte

Du brauchst nicht alles auf einmal umzusetzen. Hier sind die wichtigsten Maßnahmen, mit denen du sofort anfangen kannst:

01

Alt-Text für alle Bilder schreiben

Das’s die Basis. Jedes Bild braucht einen aussagekräftigen Alt-Text. Nicht “Bild123”, sondern konkret: “Frau mit Tablet arbeitet an einer Website”. Das hilft Screenreader-Nutzern und ist auch gut für SEO.

02

Farbkontrast überprüfen

Text auf Hintergrund braucht ein Kontrastverhältnis von mindestens 4,5:1 (für normale Schrift). Tools wie WebAIM Contrast Checker helfen dir, das zu testen. Dunkles Grau auf Weiß funktioniert. Hellgrau auf Weiß nicht.

03

Semantisches HTML verwenden

Nutze <h1>, <h2>, <button>, <nav>, <article>, statt alles in <div> zu packen. Semantische HTML-Elemente erzählen Screenreadern, worum es geht. Das’s die Grundlage für alles andere.

04

Tastaturnavigation testen

Nimm deine Maus weg und navigiere nur mit Tab und Enter. Funktioniert es? Kannst du alle Links und Buttons erreichen? Ist die Fokus-Reihenfolge logisch? Wenn nicht, musst du daran arbeiten.

Entwickler testet Barrierefreiheit mit verschiedenen Accessibility-Tools auf mehreren Monitoren

Tools zum Testen deiner Website

Du brauchst nicht alles manuell zu checken. Es gibt kostenlose Tools, die dir helfen:

  • WAVE: Browser-Extension, die Fehler und Warnungen visuell markiert. Sehr anfängerfreundlich.
  • Axe DevTools: Umfangreiche Fehleranalyse mit Erklärungen und Lösungsvorschlägen.
  • WebAIM Contrast Checker: Online-Tool für Farbkontraste. Einfach Farben eingeben, Ergebnis sofort sehen.
  • Lighthouse: Im Chrome DevTools integriert. Prüft Accessibility, Performance und SEO in einem Scan.
  • NVDA Screenreader: Kostenlos und Open Source. Damit testest du real, wie deine Website für Screenreader-Nutzer funktioniert.

Dein nächster Schritt

Barrierefreiheit ist keine Checkliste, die du abhakst. Es’s ein kontinuierlicher Prozess. Fang mit den vier Prinzipien an — wahrnehmbar, bedienbar, verständlich, robust. Nutze die Tools, um deine Website zu testen. Und höre auf Menschen mit Behinderungen, wenn sie dir Feedback geben.

Schon kleine Verbesserungen machen einen großen Unterschied. Alt-Text für Bilder? Dauert 10 Minuten pro Seite. Farbkontrast überprüfen? 20 Minuten mit einem Tool. Und die Dankbarkeit von Nutzern, die deine Website plötzlich nutzen können? Unbezahlbar.

Die gute Nachricht: WCAG 2.1 ist kein unmögliches Standard. Mit den richtigen Werkzeugen und etwas Fokus, erreichst du Level AA. Und deine Website wird nicht nur barrierefreier — sie wird auch besser für alle.

Wichtiger Hinweis

Die Informationen in diesem Artikel sind zu Bildungszwecken gedacht und bieten eine Einführung in die WCAG 2.1 Standards. Sie’re kein Ersatz für rechtliche Beratung oder professionelle Accessibility-Audits. Die Anforderungen zur Barrierefreiheit unterscheiden sich je nach Land, Industrie und spezifischen Regulierungen. Für kritische Websites — besonders im öffentlichen Sektor oder E-Commerce — empfehlen wir ein professionelles Accessibility-Audit durch zertifizierte Experten.

WCAG wird regelmäßig aktualisiert. Dieser Artikel basiert auf WCAG 2.1 (veröffentlicht 2018). Überprüfe die aktuellsten Standards auf w3.org/WAI/WCAG21.